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Qualfizierungen

Informationen zu INVET
(Informal Vocational Education of Travellers)
Die EU-Geschäftsstelle der Bezirksregierung Arnsberg hat seit dem Frühjahr 2014 im Rahmen des Programmes Erasmus+ der EU das Projekt „Feststellung und Anerkennung von non-formalen und informellen Kompetenzen in der beruflichen Bildung von jugendlichen Schaustellerinnen und Schaustellern“ durchgeführt.
Ein klares Konzept und ein praxisorientiertes Handbuch ermöglichen die nachhaltige Verbreitung und Anwendung durch andere europäische Bildungseinrichtungen.
Die deutschen Partner im Projekt sind neben dem Mulvany-Berufskolleg und dem Emschertal-Berufskolleg in Herne der Deutsche Schaustellerbund (DSB), der Bundesverband der Schausteller und Marktkaufleute (BSM), die IHK Mittleres Ruhrgebiet und der DGB. Partnerland ist die Niederlande, die durch ein Berufsbildungszentrum in Nijmegen (ROC Nijmegen), dem KBA Nijmegen (privates Forschungsinstitut für Berufsbildung und Arbeitsmarkt) und dem niederländischen Schaustellerverband (BOVAK) im Projekt vertreten ist.
In Deutschland gibt es für die Feststellung und Anerkennung von fachlichen und informellen Kompetenzen keine Tradition. In den Niederlanden wird dagegen die seit langem erfolgreiche EVC-Methode (Er kenning Verworven Competenties) zur Anerkennung (formal oder informell) erworbener Kompetenzen, angewendet.
Die Vielfalt der Tätigkeiten über mehrere Berufsbilder erforderte eine Anpassung der Methode bezogen auf das Schaustellergewerbe. Eine große Übereinstimmung wurde bei folgenden Berufsbildern festgestellt:
  • Kauffrau/Kaufmann im Einzelhandel
  • Veranstaltungstechniker/-in
  • Fachkraft im Gastgewerbe
  • Elektroniker/-in für Energie- und Gebäudetechnik
In dem Berufsbild, in dem die Kenntnisse von Schaustellerinnen und Schausteller die größte Übereinstimmung haben wird ein EVC-Verfahren eingeleitet. Die so festgestellten Kenntnisse dienen als Ausgangspunkt für eine mögliche Verkürzung von Ausbildungszeiten oder Kursen für Zertifikate. Das INVET-Projekt ist gleizeitig eine Wertschätzung der informell und non-formal erworbenen Kompetenzen, die sich durch die EVCMethode streng an einem anerkannten Ausbildungsberuf orientieren. Wer immer auf Reisen ist, dessen Ausbildung ist schwierig – das zeigt sich bei jugendlichen Schaustellerinnen und Schaustellern nicht nur in der allgemeinen schulischen, sondern auch in der beruflichen Ausbildung, eine – wie entsprechende Entschließungen des Europarates zeigen – in der gesamten EU als mangelhaft empfundene Ausbildungssituation. Denn unsere Bildungssysteme sind zum einen auf sesshafte Schülerinnen und Schüler ausgerichtet, zum anderen werden junge Schaustellerinnen und Schausteller früh in den Familienbetrieb integriert: Ihre berufliche Ausbildung ist geprägt vom Prinzip „Learning by Doing“, obwohl professionelles technisches und kaufmännisches Know-how zukünftig auch im Schaustellergewerbe darüber entscheiden wird, ob ein Betrieb lebensfähig ist oder nicht. So fragen staatliche Behörden, Hygieneämter, Berufsgenossenschaften oder auch Volksfestorganisatoren oft nach Qualifikationen für das Betreiben von Schaustellergeschäften; die Schausteller können aber keine offiziellen Zertifikate oder Zeugnisse vorlegen.
Ausgangspunkt des Projekts sind die speziell auf Schaustellerinnen und Schausteller ausgerichteten „BeKoSch-Lehrgänge“ der Berufskollegs in Herne. Dort erwerben junge Schaustellerinnen und Schausteller informelle und non-formale berufliche Qualifikationen auch bei ihrer Mitarbeit im Familienbetrieb. Würden diese informellen Qualifikationen festgestellt, anerkannt und zertifiziert werden können, könnten die jugendlichen Schaustellerinnen und Schausteller eventuell die steigende Zahl von staatlichen Regularien und Auflagen erfüllen oder es würde ihnen die Möglichkeit eröffnet, außerhalb des Schaustellergewerbes eine qualifizierte Tätigkeit zu übernehmen.
Weitere Informationen zu dem Projekt INVET sowie ein Film über die vielfältigen beruflichen Kompetenzen der Schaustellerinnen und Schausteller sind auf der Webseite von INVET unter www.invet.nrw.de zu finden. (PR/Invet)
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